Ein packendes und hochemotionales Derby in Wünsdorf

Für beide Mannschaften stand viel auf dem Spiel – die Nerven flattern auf beiden Seiten

 

Recht und Gerechtigkeit waren für beide Mannschaften am Wochenende in Wünsdorf im ständigen Zweifel. Dabei hätte bei der Fehlersuche jede der beiden Teams bei sich und nicht bei den Schiedsrichtern zu suchen anfangen müssen. Die Quintessenz aus dem Spiel: Es hatte einfach keinen Sieger verdient und so sollte es dann auch nach packenden Schlussminuten beim 23:23 eintreffen. Auf die Frage hin, ob es ein gewonnener oder ein verlorener Punkt sei, konnten gewiss beide Seiten mit „sowohl als auch“ beantworten.

Luckenwalde startete saustark in die Partie. Nach den letzten Trainingseinheiten war die Lust und die Leidenschaft der Klante Schützlinge auf der Platte zu erkennen. Mit konzentriertem Stellungsspiel in der Abwehr und schnellen Angriffen nach vorne konnte sich Luckenwalde im Derby gegen harmlose Wölfe gut behaupten. Die gut 30 mitgereisten Fans aus Luckenwalde wurden für Ihre lautstarke Unterstützung belohnt. In der vierten Minute beim Stand von 3:2 für den Gastgeber sollte die Handballvereinigung Luckenwalde Ernst machen. Mit einem ersten 0:4 Lauf konnte man sich bis zur 9. Minute bereits ein kleines 3 Tore Polster beim Stand von 3:6 erarbeiten.  Damit war aber nicht Schluss. Luckenwalde schien sich in einen kleinen Rausch zu spielen. Wünsdorf konnte nur zusehen und hoffen, nicht zu stark unter die Räder zu geraten. Bereits nach 22 gespielten Minuten machte Tobias Schamott, der eine wahnsinnig gute Leistung in Deckung und Angriff absolvierte, die 7 Tore Führung zum 6:13 spektakulär im Hechtsprung perfekt.  Bis hierhin ein Spektakel für Luckenwalde, die es endlich geschafft haben sollten, den Hebel umzulegen und an Ihre Trainingsleistungen anzuknüpfen. „Zu diesem Zeitpunkt hatte man nicht das Gefühl, dass Wünsdorf irgendetwas ausrichten könne, obwohl man die Stehaufmentalität aus den vergangenen Jahren kenne“ wollte Co-Trainer Much zu erkennen wissen.

Der Gedanke war noch gar nicht so richtig zu Ende gedacht, da baute Wünsdorf den Druck über Ihren sehr starken Rückhalt im Tor mehr und mehr auf. Die Gastgeber konnten so den Vorsprung auf 3 Tore vor der Halbzeit in ein akzeptables Fenster zum 12:15 verkürzen. In der Kabine war seitens Nicole Klante wenig zu korrigieren. „Agiert passiver und kompakter in der Abwehr, bisher kommt aus dem Rückraum nicht viel bei den Wünsdorfern“ hat Klante richtig erkannt „und Vorne müsst Ihr in die Tiefe gehen, die Schnittstellen belaufen.“ führte Sie weiter aus. Eigentlich hätte man nur so weiter machen müssen, wie man begonnen hat, aber auch Wünsdorf hat Ihr Deckungsverhalten von einer offensiven 3-3 Deckung auf eine passive 6:0 Deckung umgestellt. Die zahlreichen Hüft- und Schlagwürfe auf Luckenwalder Seite blieben im weiteren Verlauf der zweiten Halbzeit erfolgslos und entsprachen nicht den Vorgaben der Trainerin. Entsprechend nutzen die Wünsdorfer Wölfe Ihre sich ergeben Chancen und konnten in Halbzeit zwei mehr und mehr vom Vorsprung abknabbern. Über die Stationen 13:15 (32‘) und 15:16 (36‘) konnte Wünsdorf in der 38 Minute erstmals zum 17:17 ausgleichen. 3 Minuten später sah sich Klante sogar gezwungen, die Auszeit beim Stand von 18:18  zu nehmen und Ihre Mannschaft die weitere Marschroute vorzugeben. „Männer, Ihr macht so ein geiles Spiel bis hierhin, jetzt lasst Euch die Lorbeeren nicht klauen und bringt das Ding sauber zu Ende. Geht in die Tiefe, lasst die Anspiele an den Kreis, sucht Eure eigene Chance – für das Tore werfen seid ihr verantwortlich.“ motiviert Sie energisch. Denn tatsächlich hatte Luckenwalde nach 20 Minuten in der zweiten Halbzeit es gerade mal auf 5 Tore gebracht. „An der Deckung lag es heute nicht – der Deckungsblock um Thomas Eyssen und Steven Klante hielt den Haufen hinten zusammen“ resümiert Much bei gerade mal insgesamt 23 Gegentoren.

Jetzt sollte die Zeit beginnen, wo die Luckenwalde die so lang vermissten Emotionen durchdringen ließen. Leider auch zum Leidwesen der Mannschaft, die sich dadurch selber mehrfach dezimierte. Aber der Kampf wurde angenommen. Tom Giesin übernahm ein weiteres Mal Verantwortung und avancierte erneut zum erfolgreichsten Luckenwalder Schützen mit insgesamt 7 Toren. Das 20. und 21. Tor gehen auf seine Kappe. Dann durfte sich der zwischenzeitlich für einen starken Paki ins Tor gekommene Steve Kühne nach Verhinderung einer dreifach Chance der Gastgeber und nach einer angezweifelten Schiedsrichterentscheidung gemeinsam mit Steven Klante zwangsweise wieder auf der Bank ausruhen. Dies schrieb die 53. Minute, in der Luckenwalde in doppelter Unterzahl agierte. Dies nutze Wünsdorf und legte innerhalb dieser Überzahl zwei Tore super herausgespielt zum 23:21 vor. Luckenwalde war noch nicht wieder komplett, da durfte sich auch Paul Langenickel auf die Bank setzen. Die 54. Minute sollte somit das vermeintliche Schicksal der Luckenwalder besiegeln. Wünsdorf nahm in dieser Zeit eine Auszeit und hatte einen Plan, die zwei Tore Führung fünf Minuten vor Schluss über die Bühne zu bringen. Doch diesen Plan zerstörten sich nicht aufgebende Luckenwalder.

Bis zur 59. Minute sollte auf beiden Seiten kein Tor mehr fallen. Mit einem 7m-Wurf, den sich Steven Klante verpflichtet fühlte konnte man 45 Sekunden vor Schluss den Anschlusstreffer markieren. Jetzt hieß es alles oder nix und entsprechend aggressiv und willensstark agierten die Luckenwalder. Wünsdorf überrascht von der Willensstärke der Luckenwalder vertändelten den letzten Angriff den Luckenwalde 9 Sekunden vor Schluss durch Thomas Eyssen zum Ausgleichstreffer beim Stand von 23:23 erfolgreich im Wünsdorfer Tor untergebracht hatte. Wünsdorf wusste, dass es einen letzten schnellen Angriff geben würde, den es dann aber nicht mehr bedurft hatte, da Steven Klante beim Durchlaufen des Anwurfkreises durch einen Wünsdorfer Spieler angeworfen wurde und damit für eine progressive Bestrafung sorgte. Die Regel sagt dazu aus, dass nach einer solchen Bestrafung in den letzten 30 Sekunden des Spiels ein 7m-Strafwurf folgt, den Wünsdorf 5 Sekunden vor Ende auch zugesprochen bekommen hatte.

Waren die Mühen und der aufopfernde Einsatz doch vergebens? Klante stellte Ihre Jungs nochmal auf einen schnellen Angriff nach möglichem Torerfolg ein. Die Bangen Blicke der Luckenwalder Mannschaft sowie den der Luckenwalder Fans richteten sich an Neuzugang Pakertharan Jeyabalan, der sich Dirk Becker Auge um Auge gegenüber stand. Der Pfiff zum Strafstoß erklang, Totenstille auf den Rängen der Halle – trotz aller Aufregung in den Minuten zuvor. Der Wurf von Becker und die blitzschnelle Reaktion von Paki, der den Wurf parieren konnte. Ein Aufschrei in der Halle – Entsetzen bei Wünsdorf, Freude bei Luckenwalde. Die letzten 3 Sekunden ließ Paki – mit Ball in der Hand – von der Uhr laufen, bevor alle Emotionen aus den Luckenwaldern herausplatzten und im Freudentaumel um Paki den so wichtigen Auswärtspunkt feierten.

„So ein Einstand in einem Verein beim ersten Spiel hatte ich bisher auch nicht, ich werde die Nacht gut schlafen können“ gab Paki nüchtern nach Abpfiff zu Protokoll. So schnell avanciert man zum Helden wobei die Schlussminuten an Tragik nicht zu übertreffen waren. „Ein wahres Derby“ wie Gordon Roth aus seinen teils fragwürdigen Emotionen heraus am Ende des Tages alle wissen ließ.

Am Ende hätte es Luckenwalde vielleicht gar nicht so spannend machen müssen, wenn man nur teilweise an die erste Halbzeit angeknüpft hätte, aber aus den vergangenen Spielen muss auch der sonst so vermisste Einsatzwille und Kampfeswille hervorgehoben werden. Denn den hatte Luckenwalde trotz aller Fehlwürfe niemals aufgegeben und somit den Punkt letztendlich erfolgreich aus Wünsdorf entführt.

Am kommenden Samstag um 18:30 Uhr lädt die 1. Männermannschaft zum Spiel gegen SV Chemie Guben 1990 in die Luckenwalder Fläminghalle ein. Im Anschluss an das Spiel stellt das Team Bratwurst und Glühwein bereit, um mit den Fans gemeinsam in den Dialog zu gehen. Das letzte Spiel des Jahres soll vor voller Halle stattfinden, um die auf Tabellenplatz drei positionierten Gubener  bezwingen zu können.

 

 

Für Luckenwalde spielten: S. Kühne (Tor), Bastian Kallweit (Tor), P. Jeyabalan (Tor), S. Klante (3), E. Ljunggren (4), T. Eyssen (3), M. Junge,  M. Stelter (3), Stephan Kirchner, T. Schamott (3), T. Giesin (7), P. Langenickel



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